LeseLenz-Stipendien

Hausacher Stadtschreiber*innen
und LeseLenz-Stipendiat*innen 2018/19
und das Gisela-Scherer-Stipendium vergeben

Lea Streisand

Julia Willmann

und

Timo Brandt

kommen nach Hausach

 

        Anlässlich ihrer 750-Jahr-Feier hatten der Hausacher LeseLenz und die Stadt Hausach in Kooperation mit der Neumayer-Stiftung 2009 erstmals zwei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien im Molerhiisle in Hausach ausgeschrieben. Zum einen in der Sparte „Lyrik oder Prosa“, zum anderen, um den Bereich der Literatur für Kinder und Jugendliche zu fördern.  2012 kam das Gisela-Scherer-Stipendium hinzu, das vom Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes e.V. getragen wird.

        Die Hausacher Stadtschreiber*innen für das Jahr 2018/19 sind gewählt. Eine dreiköpfige Jury stimmte bei 65 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für Lea Streisand (Berlin) in der Sparte Prosa/Lyrik und für Julia Willmann (Berlin) im Bereich Kinder- und Jugendbuch. Letztere bekommt damit auch gleichzeitig die Poetik-Dozentur  des  Hauscher  LeseLenzes  und  der PH Karlsruhe an der dortigen Pädagogischen Hochschule zugesprochen.

        Das Gisela-Scherer-Stipendium, das den Namen der LeseLenz-Mitbegründerin Gisela Scherer trägt, die 2010 verstorben ist und die Erinnerung an sie lebendig halten will, erhält der in Wien lebendende und in Düsseldorf geborenen Lyriker und Literaturkritiker Timo Brandt.

        Lea Streisand tritt ihr Stipendium im Sommer 2018 an und Julia Willmann wird im Oktober dieses Jahres nach Hausach kommen. Das Gisela-Scherer-Stipendium ist für den Zeitraum ab Mitte Februar – Mitte Mai 2019 vorgesehen; dann wird Timo Brandt in Hausach sein.

 

Begründung der Jury für

Lea Streisand:

„Lea Streisand legt einen Debütroman vor, der mit Witz, Sentiment und Chuzpe punktet. Ein Roman gleich aus zwei Leben gegriffen; die strahlende Lea, die plötzlich durch einen Tumor an der Wirbelsäule gebremst wird und Mütterchen, Leas Großmutter, deren eigenwillige und tolle Geschichte ihr Halt und dem Leser eine wunderbare Figur schenkt.

Ein großartiger Roman, der zwei unberechenbare Gegner der Menschheit – Krebs und Krieg – humorvoll und hochliterarisch in die Schranken weist.“

 

© Gerald von Foris

Lea Streisand
geboren wurde Lea Streisand 1979 im Ostteil Berlins. Die ersten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der DDR. „Natürlich hat mich das geprägt“, sagt sie, „es sind ja nicht nur die zehn Jahre, die ich dort verbracht habe. Meine ganze Familiengeschichte ist eine ostdeutsche.“ Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte beschäftigt sie.
Nach einem Studium der Neueren deutschen Literatur und Skandinavistik an der Humboldt-Universität Berlin wurde sie Mitglied der Berliner Lesebühnen und liest seit 2003 dort Geschichten vor. Seit 2005 schreibt sie außerdem Artikel und Kolumnen für die taz. Im Jahr 2009 erschien ihr erstes Hörbuch „Wahnsinn in Gesellschaft“ und seit 2014 spricht sie bei Radio Eins ihre wöchentliche Kolumne „War schön jewesen“.

 

Jüngste Publikationen:

Lea Streisand. Im Sommer wieder Fahrrad. Roman. Ullstein Buchverlage. Berlin 2016

und War schön jewesen. Geschichten aus der großen Stadt. Ebda. Berlin 2016

www.leastreisand.de

 

Begründung der Jury für

Julia Willmann:

„Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut“: Das meint die kluge Pippi Langstrumpf und weil die Jury für die neuen Hausacher Stadtschreiber*innen der gleichen Meinung ist, hat sie sich 2018 für Julia Willmann entschieden.

Kein fix und fertiges Kinderbuch hat die in Freiburg i.B. geborene und inzwischen in Berlin lebende Autorin eingereicht, sondern das Manuskript Rascha und die Tür zum Himmel, das erzählt einfühlsam, liebevoll, lustig und manchmal auch melancholisch vom Beginn und vom Ende eines Menschenlebens und der schönsten Fasnet von allen.

 

© Christine Fenzl

Julia Willmann
1973 in Freiburg im Breisgau geboren und dort aufgewachsen. Studium der Germanistik, Romanistik und Medienwissenschaften in Aix-en-Provence und Düsseldorf. Magisterarbeit zum Thema „Sprache und Sprachlosigkeit im Werk Ingeborg Bachmanns“. Studium der Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Freie Autorin für Deutschlandfunk Kultur und den WDR, Spielfilmredakteurin bei ARTE in Straßburg und Creative Producer bei der Little Shark Entertainment, Köln: Entwicklung von Kino- und Fernsehfilmen. Seit 2011 freischaffende Autorin und Dramaturgin. Dozenturen für Stoffentwicklung und Dramaturgie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und der Internationalen Filmschule Köln. Seit 2003 Veröffentlichung literarischer Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften. 2010 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg, 2017 Stadtschreiberin von Rottweil.

Jüngste Publikation:

Julia Willmann. was es ist. Roman. Fontis-Brunnen. Basel 2017

 

Begründung der Jury für

Timo Brandt:

Dem Lärm der Gegenwart begegnet er im Gedicht. Timo Brandt, ein Dichter, der immer wieder die Stille der Welt aufsucht und daraus klare Bilder in Fragen schöpft, die ihn genau diese Welt, aus der die Fragen entspringen, entdecken lässt. Wort um Wort. Vers um Vers. Wider das „Massaker des Vergessens“ entwirft er eine Poesie der demütigen Annäherung. Eine Poesie, die erzählt, indem sie Wahrheiten abtastet. So wird sie wirklich und wirksam. „Woran wir sind / weiß niemand / den du kennst“, endet eines seiner Gedichte. Vielleicht ist diese Erkenntnis die Voraussetzung sich dem Leben zwischen Wahrheit und Wirklichkeit zu stellen.

 

© Dilan Tas

Timo Brandt
wurde am 13.02.1992 in Düsseldorf geboren und wuchs in Hamburg auf. Seit 2014 Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Von 2015-2018 Mitherausgeber der JENNY-Literaturzeitschrift. Seit 2016 Rezensent für die Onlinemedien fixpoetry.com und signaturen-magazin.de, sowie für die Print-Medien Zwischenwelt, Kolik und Literatur und Kritik.

 

 

 

Jüngste Publikation:

Timo Brandt. Enterhilfe fürs Universum. Gedichte. Verlag edition offenes feld. Herausgegeben von Jürgen Brôcan. Dortmund 2017

 

Hausach, am 21. Mai 2018

Ulrike Wörner, Robert Renk, José F.A. Oliver