LeseLenz-Stipendien

Hausacher Stadtschreiber*innen  2020/21

Amanda-Neumayer-Stipendium,

Gisela-Scherer-Stipendium und

Poetik-Dozentur vergeben

 

Martin Piekar,

Tobias Steinfeld

und

Marius Hulpe

kommen nach Hausach

 

        Anlässlich der 750-Jahr-Feier Hausachs hatten der Hausacher LeseLenz und die Stadt Hausach in Kooperation mit der NEUMAYER-Stiftung 2009 erstmals zwei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien im Molerhiisle in Hausach ausgeschrieben. Zum einen in der Sparte Prosa oder Lyrik, zum anderen, um den Bereich der Literatur für Kinder und Jugendliche zu fördern (seit zwei Jahren nach Amanda Neumayer benannt), das heutige Amanda-Neumayer-Stipendium.
        2012 war das Gisela-Scherer-Stipendium hinzugekommen.

        Die Hausacher Stadtschreiber für das Jahr 2020/21 sind gewählt. Eine dreiköpfige Jury stimmte bei über 50 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für

        Martin Piekar (Frankfurt a. M.) in der Sparte Prosa/Lyrik. Das Amanda-Neumayer-Stipendium erhält Tobias Steinfeld (Düsseldorf) in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch. Die Poetik-Dozentur des Hausacher LeseLenzes und der PH Karlsruhe an der dortigen Pädagogischen Hochschule wurde Anja Tuckermann  (Berlin) , der letzjährigen LeseLenz-Preisträgerin, zugesprochen. Mit dem Gisela-Scherer-Stipendium wird Marius Hulpe (Berlin) ausgezeichnet.

        Martin Piekar tritt sein Stipendium im Sommer 2020 an. Tobias Steinfeld wird als Amanda-Neumayer-Stipendiat im Oktober dieses Jahres nach Hausach kommen. Das Gisela-Scherer-Stipendium ist für den Zeitraum ab Mitte Februar – Mitte Mai 2021 vorgesehen. Dann wird Marius Hulpe in Hausach sein.

        Zur Poetik-Dozentur „kinderleicht & lesejung“ des Hausacher LeseLenzes und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe an der PH Karlsruhe wird Anja Tuckermann voraussichtlich im November 2020 und Januar 2021 nach Karlsruhe reisen.

        Die offizielle Begrüßungsfeier für die Hausacher Stadtschreiber und der Poetik-Dozentin findet im Rahmen des diesjährigen LeseLenzes 2.0 am Donnerstag, 17. September 2020 in Hausach statt.

 

Begründung der Jury für
Martin Piekar

„Wo das Politische das Persönliche aufsucht, offenbart sich bisweilen eine Haltung ins Heutige. Eine Entschiedenheit, die Poesie wird. In den Gedichten Piekars ist dieses Aufbegehren unserer Zeit hörbar; auch dort, wo seine Verse im Stillen und ins Stille gelesen werden. Ich bin für Gedichte, die mich kritisch betrachten, sagt Martin Piekar. Diese klar formulierte und einladende Selbstgewähr kristallisiert vielleicht eine der Voraussetzungen, um all das, was uns Welt bedeutet, nicht minder kritisch zu betrachten. Immer wieder auf sich selbst zurückbefragt werden, ist nicht nur eine poetologische Stärke. Hierin zeigt sich die Größe und Tragweite dieser Stimmenpoesie des Dichters aus Frankfurt am Main. ”

 

 

© Privatarchiv

Martin Piekar

1990 geboren, lebt in Frankfurt am Main. Er hat dort Philosophie und Geschichte an der Goethe-Universität studiert. 2012 Lyrikpreisträger beim 20. Open Mike. 2014 wurde er World Lyrikwrestling Champion. 2016 hr2-Literaturpreisträger, zudem erhielt er den Atta-Troll-Superpreis für radikale Ideologiekritik. 2018 folgten der Jurypreis des Irseer Pegasus‘ und der Alfred-Gruber-Preis in Meran. Sein erster Gedichtband Bastard Echo erschien im Frühjahr 2014 beim Verlagshaus Berlin. 2016 veröffentlichte er gemeinsam mit Jan Kuhlbrodt Überschreibungen im Verlagshaus Berlin.

 

Jüngste Publikation:

AmokperVers. Gedichte. Verlagshaus Berlin. Berlin 2018

www.martin-piekar.net

 

 

Begründung der Jury für
Tobias Steinfeld
Amanda-Neumayer-Stipendium

“Den richtigen Ton zu treffen, ist gerade bei Jugendromanen ein schwieriges Unterfangen, das oft genug gründlich schief geht. Mit außergewöhnlichen Plots, schrägen Details und glaubwürdigen Figuren gelingt es Tobias Steinfeld mit Bravour und ohne auf die Moralpauke zu hauen, von Liebe und Tod, von schwierigen Lebensphasen, von Förderschülern und Schäfern zu erzählen und das alles so charmant und gewitzt, dass man die Bücher nicht mehr aus der Hand legen mag.“

 

© Ulrich Köller

Tobias Steinfeld

wurde 1983 in Osnabrück geboren, wo er einen handfesten Beruf lernte. Später studierte er Kommunikationswissenschaften und Germanistik und jobbte als Inklusionshelfer an einer Förderschule. Sein Debütroman Scheiße bauen: sehr gut stand auf der Bestenliste des Oldenburger Jugendbuchpreises und wurde mit dem Mannheimer Feuergriffel-Stipendium ausgezeichnet. Als sein erstes Stück auf die Bühne kam, rief seine ehemalige Grundschullehrerin ungläubig und stolz bei seiner Mutter an: „Ist das wirklich von Tobias?“

In seinen Schreibwerkstätten widmet Steinfeld sich ganz den Interessen und Visionen der jugendlichen Teilnehmer*innen. Dabei legt er keinen Wert auf gute Noten, sondern auf den Spaß. am Erzählen und den Mut, eigene Ideen zu spinnen. Tobias Steinfeld lebt in Düsseldorf.

 

Jüngste Publikationen:

Kein Plan. Coming-of-Age-Roman. Thienemann-Esslinger Verlag. Stuttgart 2019

www.thienemann-esslinger.de

 

 

Begründung der Jury für
Marius Hulpe
Gisela-Scherer-Stipendium

Wilde grüne Stadt … Enge und Weite wechseln sich in diesem bild- und sprachstarken Roman ab; der Perspektivenwechsel ist auf den knapp 400 Seiten Programm. Szenen werden – wie in einer Patience – vor dem Leser/der Leserin ausgelegt. Marius Hulpe überführt einzelne Puzzleteile in einen großen Kontext, persönliche Geschichten korrespondieren mit der Weltgeschichte! Und wenn die Geschichte von einem Moment auf den anderen den Ton verändert, dann findet Hulpe – der ja auch als Lyriker reüssiert hat – den dazu passenden. Ein großer Roman über Familie und Heimat, über Freiheit und Verpflichtung; wort- und bildmächtig, nie aber aufdringlich; subtil und poetisch, nie aber belanglos!“

 

© Ecko von Schiwchow

Marius Hulpe

geboren 1982 in Soest, studierte Literarisches Schreiben, Kultur- und Theaterwissenschaften. Dozenturen und Forschungsprojekte zu psychopathologischer und biografischer Literatur. 2008 erschien sein erster Gedichtband Wiederbelebung der Lämmer im Ammann Verlag, es folgten die Bände Einmal werden wir und Süße elektrische Nacht sowie der erzählende Essay Der Polen-Komplex. Seine Texte wurden in acht Sprachen übersetzt und für Rundfunk und Bühne adaptiert. Diverse Performances. Er lebt in Berlin.

 

Jüngste Publikation:

Wilde grüne Stadt. DuMont Buchverlag. Köln 2019

www.dumont-buchverlag.de

 

Begründung der Jury für
Anja Tuckermann

Poetik-Dozentur „kinderleicht & lesejung
des Hausacher LeseLenzes
und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
an der PH Karlsruhe

„Sich und seinen Themen treu zu bleiben und dennoch immer andere Wege der literarischen, der künstlerischen Umsetzung zu finden, dieser Herausforderung stellt sich Anja Tuckermann mit jedem neuen Text und sie stellt sich dieser Aufgabe nicht nur, sie meistert sie auf so eindringliche und poetische Weise, dass sie schlicht und einfach preiswürdig ist. Die richtige Sprache für jedes Buch, sein Anliegen und seine Leserschaft zu finden ist ein Markenzeichen von Anja Tuckermann, genauso wie sie mit jedem ihrer Texte dem Lesepublikum, ob jünger ob älter, etwas zumutet und keine in Watte gehüllte Erbaulichkeitsliteratur präsentiert, sondern Bücher, die so zeitbezogen und gleichzeitig zeitlos sind, dass sie lange nachhallen.“ (Auszug aus der Laudatio zum LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur 2019)

 

© Bernd Sahling

Anja Tuckermann

geboren 1961 in Selb, Bayern ist Autorin von Romanen, Erzählungen, Kurzprosa, Libretti und Theaterstücken. Außerdem ist sie auch als Journalistin tätig. Aufgewachsen ist die Schriftstellerin in Berlin-Kreuzberg. Gleich ihr erstes Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt, ihre bekanntesten Bücher sind die dokumentarisch-biografischen Romane „Muscha. Ein Sinti-Kind im Dritten Reich; Denk nicht, wir bleiben hier, über Hugo Höllenreiner und Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war über Hermann Höllenreiner. Vielfach ausgezeichnet, erhielt sie 2019 den LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur.

 

Jüngste Publikation:

Der Mann, der eine Blume sein wollte. Tulipan Verlag. München 2018
Todesursache Flucht: Eine unvollständige Liste. Sachbuch. Hirnkost Verlag. Berlin 2018

www.wikipedia.org/wiki/Anja_Tuckermann

 

Hausach, im Juni 2020
Ulrike Wörner, Robert Renk, José F.A. Oliver
www.leselenz.com